Die Sage der schaurigen Wesen

 

 

 

 

Im Blauen Auge am Rande des Waldsees, lebte einst ein Männlein. Jeden Morgen wanderte das Männlein aus dem Waldsee zum nahegelegenen Dorf, um die Hofbewohner zu wecken und ihnen bei den Stallarbeiten zu helfen. Es bekam jeden Tag Frühstück, Mittag- und Nachtessen, das es alleine und unter der Treppe sitzend, verzehrte.

Dem Männlein musste die Arbeit mit dem Satz Nicht zu wenig und nicht zu viel!, aufgetragen werden. Vergaß der Hofherr diesen Satz, arbeitete das Männlein entweder viel zu viel oder viel zu wenig.

Des Männleins Kleidung war schon sehr abgetragen und zerschlissen. Und doch hielt es den Bauern immer wieder davon ab, ihm neue Kleidungsstücke zu kaufen. Eines Winters jedoch brach es der Hofherr nicht über das Herz, dass Seemännlein in den zerrissenen Kleidern arbeiten zu sehen. Er ließ ein Röckchen nähen und gab es dem Männlein. Der Bauer versicherte dem Seemännlein, dass das Röckchen ein Geschenk sei und nicht als Lohn angesehen werden soll. Da sagte das Männlein: Wenn man ausbezahlt wird, muss man gehen. Ich komme von morgen an nicht mehr zu euch!“

Der verdutzte Hofherr konnte das Seemännlein nicht mehr von seinem Vorsatz abbringen. Die Magd, die das Geschehen mitbekommen hat, war darüber so erbost, dass sie dem Männlein an diesem Abend kein Nachtessen gab. So musste es mit leerem Magen in den Waldsee zurückkehren.

Mitten in der Nacht machte sich das hungrige Seemännlein ein letztes Mal auf zum Hof. Zornig und wütend stapfte es durch die nächtliche Schönheit des Waldes am Waldsee, bis es die Schlafkammer der Magd erblickte. Er schlich sich in das Schlafgemach und sah dem schlafenden Mädchen zu. Erst jetzt konnte man das nächtliche Antlitz des Seemännleins erkennen.

Es hatte seine menschliche Natur verloren, hatte ein blaues Gesicht und langes zotteliges Haar. Die Gestalt packte das Mädchen und trug es auf der Schulter nach Oberachern zu den anderen Seewesen im Waldsee. Das Mädchen versuchte sich gegen das Wesen zu wehren, doch selbst als es das Männlein im Gesicht kratzte, ließ sich das dämonische Ungeheuer nicht davon abbringen, sie zu fesseln und im Waldsee zu ertränken. Nachdem die dämonischen Ungeheuer nun seit sechs Jahren Ihr Unwesen treiben und das Mädchen stets in Gefangenschaft hielten, war die Verwandlung des Mädchens vollzogen. Das Mädchen hat ebenfalls seine menschliche Natur verloren und ist zu einer Hexe mit blauweißem Gesicht mit langem Haar mutiert. Von nun an geistern die Dämonen mit Ihrem verwandelten Mädchen, ein Mal im Jahr, und zwar genau zur 5. Jahreszeit, durch die Straßen und Hallen und treiben ihr Unwesen.

 

 

 

 

 

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© Wesen vom Waldsee Oberachern e.V.